Willst du dich endlich wieder wohlfühlen in deinem Körper? Ab 19.9. live Gruppenprogramm "Detox- und Intervallfasten" mit Julia Gruber und Michael Epiney

💙 Willst du dich endlich wieder wohlfühlen in deinem Körper? Ab 19.9. live Gruppenprogramm "Detox- und Intervallfasten" mit Julia Gruber und Michael Epiney

Mehr Infos 💙

Suche

PFAS im Trinkwasser: was in der Schweiz wirklich aus dem Hahn kommt. Interview mit Oliver Kaube (DG364)

Ewigkeitschemikalien im Wasser und was sie mit deinem Darm machen

PFAS im Trinkwasser sind seit ein paar Jahren ein Thema, das sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. In der Schweiz gilt der Satz, dass man aus jedem Hahn trinken kann. Das stimmt auch. Er sagt nur nichts darüber aus, was sonst noch im Wasser gelöst ist. Oliver Kaube ist Chemieingenieur, arbeitet seit 36 Jahren in der Wasseranalytik und hat zusätzlich eine Ausbildung zum ärztlich geprüften Gesundheitsberater. Vor vier Jahren war er schon einmal im Darmglück-Podcast, damals ging es um Schwermetalle und Umwelthormone. Diesmal reden wir über die Stoffgruppe, die in den letzten drei Jahren alles überlagert hat.


In dieser Folge

  Was PFAS sind und über welche Wege sie in den Körper kommen

  Was die Schweizer Untersuchungen an Blut und Trinkwasser tatsächlich zeigen

  Warum Oliver vom Gesetzgeber wenig erwartet

  Was Studien zum Zusammenhang von PFAS, Immunsystem und Darmflora zeigen

  Welche Filtertechnik wirkt, welche kaum, und was das kostet

  Warum der Begriff Todeswasser in die Irre führt

  Was du bei Ernährung, Pfannen und Imprägnierspray ändern kannst

 

Was PFAS überhaupt sind

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Als Oliver sich vor acht Jahren zum ersten Mal damit befasste, sprach man von zwei- bis dreitausend Verbindungen. Heute geht man von mehr als zehntausend aus.

Ihr Eigenschaftsprofil erklärt, warum sie überall verbaut sind: schmutzabweisend, fettabweisend, wasserabweisend. Du findest sie in Outdoor-Bekleidung und Regenjacken, in Antihaftbeschichtungen von Pfannen, in Backtrennpapier und in Imprägniersprays. Industriell dienen sie als Tenside, etwa in Löschschaum und in Enteisungsmitteln.

Der entscheidende Punkt: Sie bauen sich praktisch nicht ab. Was einmal in der Umwelt ist, bleibt dort. Wenn grössere Moleküle zerfallen, entstehen kleinere mit denselben Grundeigenschaften. Solange produziert wird, wächst die Gesamtmenge.

Im November 2023 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO zwei Vertreter dieser Gruppe neu eingestuft: PFOA als krebserregend für den Menschen, PFOS als möglicherweise krebserregend. Diese Neubewertung hat die Diskussion um Grenzwerte in Bewegung gebracht.

Was die Schweizer Zahlen zeigen

Das Bundesamt für Gesundheit hat eine Pilotstudie mit knapp 800 Freiwilligen aus den Kantonen Waadt und Bern durchgeführt. Ergebnis: PFAS liessen sich in sämtlichen Blutproben nachweisen. Bei 3,6 Prozent der Proben lag die Belastung über einem gesundheitlich relevanten Schwellenwert.

Beim Trinkwasser hat der Verband der Kantonschemikerinnen und Kantonschemiker 2023 eine schweizweite Kampagne durchgeführt. Von 564 Proben enthielten 46 Prozent nachweisbare PFAS. Kein Schweizer Höchstwert wurde überschritten. Fünf Proben, also 0,9 Prozent, lagen über dem EU-Wert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von zwanzig PFAS. Am dänischen Höchstwert gemessen, der deutlich strenger ist, lägen 26 Prozent der Proben darüber.

Ein Stoff sticht heraus: Trifluoracetat, kurz TFA. Es wurde in 99 Prozent der untersuchten Trinkwasserproben gefunden. TFA ist ein sehr kleines Molekül, das für die Filterung eine Rolle spielt.

Eine Untersuchung von Unisanté im Auftrag von BAG und BLV, veröffentlicht im Juni 2026, hat bei 630 Erwachsenen aus Waadt und Bern ebenfalls bei allen PFAS im Blut gefunden. Die Ernährung war dabei der wichtigste Aufnahmeweg. Höhere Werte zeigten sich bei älteren Männern mit viel Fleisch und Fisch, tiefere bei Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren.

Warum Oliver vom Gesetzgeber wenig erwartet

Aus der Pilotstudie hätte eine Langzeituntersuchung werden sollen: mehr als hunderttausend Menschen, zwanzig Jahre lang beobachtet, Kosten rund 240 Millionen Franken über die gesamte Laufzeit. Der Bundesrat hat das Vorhaben aus Spargründen gestoppt. Umgerechnet wären es zwölf Millionen pro Jahr gewesen, bei Gesundheitsausgaben von über hundert Milliarden.

Oliver zieht den Vergleich zu Bisphenol A. Dass der Stoff auf das menschliche Hormonsystem wirkt, war in den Neunzigerjahren bekannt. Im Einsatz ist er bis heute. Seine Schlussfolgerung: Wer wartet, wartet lange. Er plädiert für Eigenverantwortung, also dafür, sich die eigenen Expositionswege anzuschauen und dort zu reduzieren, wo es geht.

Seit dem 12. Januar 2026 müssen EU-Staaten PFAS im Trinkwasser systematisch überwachen. Die Schweiz plant, die strengeren EU-Werte zu übernehmen.

PFAS, Immunsystem und Darmflora

Es gibt epidemiologische Untersuchungen aus Regionen mit hoher industrieller PFAS-Belastung, unter anderem aus West Virginia und aus Schweden, wo Kinder in grosser Zahl untersucht wurden. Beobachtet wurden Effekte auf die Stärke des Immunsystems, mehr Entzündungsreaktionen durch reaktive Sauerstoffspezies, eine Beeinflussung der natürlichen Killerzellen und epigenetische Veränderungen. Bei Kindern von Müttern mit höherer PFAS-Belastung zeigte sich ein höherer Anteil an Mittelohrentzündungen.

In den schwedischen Daten sah man ausserdem, dass nützliche Darmbakterien negativ beeinflusst wurden. Rund 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen im Darm. Wenn die Darmflora dauerhaft Schaden nimmt, hat das Folgen für die Abwehr.

Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer Autoimmunerkrankung heisst das aus Olivers Sicht: bei der Wasserqualität besonders genau hinschauen. Was nicht hineinkommt, muss der Körper nicht entgiften.

Wie viel PFAS jemand im Blut hat, lässt sich messen. Nachweisbar sind sie bei praktisch jedem. Interessant wird die Frage nach der Menge. Wer es wissenschaftlich angehen will, kann zusätzlich schauen, wie die Darmflora zusammengesetzt ist, welche nützlichen Stämme fehlen und welche gefördert werden sollten.

Welcher Filter wirklich etwas bringt

Oliver nennt zwei Technologien, die er für sinnvoll hält.

Aktivkohle-Blockfilter. Nicht zu verwechseln mit Schüttelgranulat, wie es in den bekannten Filterkannen steckt. Ein guter Blockfilter liegt im dreistelligen Frankenbereich und hält Medikamentenrückstände, Pestizidwirkstoffe und PFAS zurück. Der Haken: Die Leistung ist am Anfang hoch und fällt gegen Ende des Lebenszyklus stark ab. Nach sechs bis zwölf Monaten muss gewechselt werden, aus Olivers Erfahrung eher früher als vom Hersteller angegeben. Gegen Schwermetalle wirkt Aktivkohle nicht.

Umkehrosmose. Aktuell das sicherste Verfahren. Nach Olivers Erfahrung werden 98 bis 99 Prozent der PFAS zurückgehalten, dazu Schwermetalle. Sehr kleine Moleküle wie TFA rutschen zu einem kleinen Prozentsatz durch.

Wer beides kombiniert, ist bei 1000 bis 5000 Franken. Dafür sind dann auch die Schwermetalle draussen, die nach Olivers Beobachtung praktisch überall im Schweizer Trinkwasser vorkommen, sei es aus der Hausinstallation, vom Versorger oder über Luftbelastung.

Filterkannen mit Schüttelgranulat schätzt Oliver auf unter zehn Prozent Filterleistung. Gegen Schwermetalle wirken sie gar nicht. Als Option bei sehr kleinem Budget oder für Kaffee- und Teewasser bei kalkreichem Wasser lässt er sie gelten. Dabei gilt: häufig wechseln, weil stehendes Wasser verkeimen kann.

Destillation funktioniert technisch, ist aber aufwendig. Für einen Liter rechnet Oliver mit rund einer Stunde plus Strom.

Neben der Filterleistung sollten aus seiner Sicht der Service, die Folgekosten für Filterwechsel, das Verhalten bei kalkhaltigem Wasser und der Schutz vor Verkeimung geprüft werden.

Der Mythos vom toten Wasser

Immer wieder hört man, gefiltertes Wasser ohne Mineralien sei totes Wasser. Oliver hält das für Unwissen, das weitergereicht wird. Im Trinkwasser gelöst sind vor allem Kalk und Gips aus den Gesteinsschichten, und das nicht überall. Im Tessin ist das Wasser nahezu kalkfrei, ohne dass dort gesundheitliche Nachteile bekannt wären. Regenwasser und geschmolzener Schnee enthalten ebenfalls keine Mineralien.

Einen wissenschaftlichen Nachweis, dass die im Trinkwasser gelösten Mineralien einen gesundheitlichen Vorteil bringen, sieht er nicht. Wer trotzdem Bedenken hat, gibt eine Prise Steinsalz ins Glas.

Ernährung, Pfannen und Alltag

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit geht davon aus, dass mehr als die Hälfte der PFAS-Aufnahme über die Nahrung erfolgt.

Fisch. Die Schweiz hat Höchstwerte für Fische und Meeresfrüchte. Für den Zugersee gab es wiederholt Einschränkungen. Wer in einer betroffenen Region wohnt und viel einheimischen Süsswasserfisch isst, kann eine Blutuntersuchung machen lassen.

Fleisch, Milchprodukte und Eier aus belasteten Böden. Im Kanton St. Gallen wurde festgestellt, dass über Jahre Klärschlamm ausgebracht wurde und die Belastung über Gras und Futter in Kühe, Hühner und Eier gelangte. Bio und Demeter senken dieses Risiko, weil dort so nicht gearbeitet wird.

Der Anteil des Einkommens, der in der Schweiz für Lebensmittel ausgegeben wird, liegt unter sieben Prozent. Olivers Frage dazu: Hat Essen den Stellenwert, den es haben sollte?

Pfannen. Antihaftbeschichtungen vermeiden, wer täglich kocht. Edelstahl oder Gusseisen hält zwanzig Jahre und mehr, auch wenn eine gute Pfanne 250 Franken kostet.

Imprägnierspray. Im Fachgeschäft nach einer Imprägnierung ohne PFAS fragen, zum Beispiel auf Bienenwachsbasis. Sprühen gehört nach draussen, nicht in die Wohnung, weil du das Aerosol sonst über die Lunge aufnimmst.

Und der Punkt, der über allem steht: Es geht um die Summe. Verschiedene Belastungen wirken zusammen, Schwermetalle können die Wirkung anderer Schadstoffe verstärken. Gleichzeitig werden die Reparatur- und Entgiftungsprozesse mit dem Alter langsamer. Selbst bei gleichbleibender Belastung kann irgendwann der Punkt kommen, an dem der Körper nicht mehr nachkommt.

 

Häufige Fragen

Sind PFAS im Schweizer Trinkwasser?

Ja. In der schweizweiten Kampagne der Kantonschemiker von 2023 wurden in 46 Prozent von 564 Trinkwasserproben PFAS nachgewiesen. Die aktuell gültigen Schweizer Höchstwerte wurden in keiner Probe überschritten. Fünf Proben lagen über dem strengeren EU-Wert. Trifluoracetat, ein sehr kleiner Vertreter dieser Stoffgruppe, fand sich in 99 Prozent der Proben. Die Belastung ist regional unterschiedlich und hängt oft von einzelnen Eintragsquellen ab.

Welcher Wasserfilter entfernt PFAS?

Nach der Einschätzung von Chemieingenieur Oliver Kaube kommen zwei Technologien infrage. Ein Aktivkohle-Blockfilter im dreistelligen Frankenbereich hält PFAS, Pestizidwirkstoffe und Medikamentenrückstände zurück, verliert aber gegen Ende der Standzeit stark an Leistung und wirkt nicht gegen Schwermetalle. Eine Umkehrosmose hält nach seiner Erfahrung 98 bis 99 Prozent der PFAS und zusätzlich Schwermetalle zurück. Eine Kombination beider Verfahren kostet 1000 bis 5000 Franken.

Was machen PFAS mit dem Darm und dem Immunsystem?

Epidemiologische Untersuchungen aus stark belasteten Regionen, unter anderem eine grosse Kinderstudie aus Schweden, zeigen Zusammenhänge mit einem geschwächten Immunsystem, mehr Entzündungsreaktionen und einer Beeinflussung der natürlichen Killerzellen. In denselben Daten wurden nützliche Darmbakterien negativ beeinflusst. Da rund 70 Prozent der Immunzellen im Darm sitzen, greifen beide Wirkungen ineinander. Wie stark der Effekt im Einzelfall ist, lässt sich daraus nicht ableiten.

Ist Wasser ohne Mineralien ungesund?

Für diese verbreitete Sorge gibt es nach Olivers Einschätzung keinen wissenschaftlichen Nachweis. Im Trinkwasser gelöst sind vor allem Kalk und Gips, und das regional sehr unterschiedlich. Im Tessin ist das Wasser fast kalkfrei, ohne dass dort gesundheitliche Nachteile bekannt wären. Auch Regenwasser und geschmolzener Schnee enthalten keine Mineralien. Wer trotzdem etwas ergänzen will, gibt eine Prise Steinsalz ins Glas.

 

Links zur Folge

Das erste Interview mit Oliver Kaube aus dem Jahr 2022, DG160

Oliver Kaube, Beratung und Expertisen zu Wasserfilteranlagen

Das aktuelle PFAS Infoblatt des Oekotoxzentrums Schweiz

Die Auswertung des Verbands der Kantonschemiker Schweiz 2023 

Die Pressemitteilung dazu

Zu PFAS und Krebs gibt es eine Infoseite, die eine aktuelle Übersicht gibt

 

Vieles findest Du auch auf dieser Seite.Dort in der Suchmaske PFAS eingegeben und Du kommst u.a. auf den Artikel zum Microbiom (Juli 2025).

Oder Du gehst auf die Seite von foodpackagingforum.org.Dort gibt es endlos viel Informationen.

Mikrobiomanalyse mit Audiobesprechung

Alle Analysen im Überblick

Fragen an uns

 

Haftungshinweis

Die Inhalte dieser Folge dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die genannten Erfahrungswerte stammen aus der Praxis und aus benannten Studien. Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Therapeutin deines Vertrauens.

 

 

 

Als Podcasthörerin oder Podcasthörer bekommst du von uns einen Rabatt auf unsere Produkte

Und zwar 15% Rabatt auf deinen ersten Einkauf (1 Mal anwendbar, nur auf nicht bereits rabattierte Produkte). Der Gutscheincode ist in beiden Arktis BioPharma Shops in der Schweiz und in Deutschland gültig.

 
Gib hierfür den Gutscheincode podcast15 ein, bevor du deine Bestellung abschliesst.
Arktis BioPharma Shop Schweiz
Arktis BioPharma Shop Deutschland

 

Abonniere den Darmglück Podcast und folge uns auf Social Media

Du möchtest in Zukunft keine Episode verpassen und/oder immer auf dem Laufenden bleiben?
Dann abonniere den Darmglück-Podcast in deiner Lieblings-Podcast-App und folge uns auf Social Media.
Hier die Links zu meinem Podcast in den geläufigsten Apps und zu Arktis BioPharma auf Social Media