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Darmgesundheit bei Kindern: was wirklich hilft, ohne Kampf am Esstisch (DG353)

Wie Kinder Gemüse, Ballaststoffe und Probiotika annehmen und warum schon kleine Kinder einen durchlässigen Darm bekommen können

Darmgesundheit bei Kindern fängt nicht beim Gemüseteller an, sondern viel früher. Übergewicht, Allergien, Neurodermitis, Unverträglichkeiten und ein Infekt nach dem anderen, Vieles davon hat seinen Ursprung im Darm und lässt sich beeinflussen, wenn man früh hinschaut. In dieser Folge des Darmglück-Podcasts spricht Julia Gruber mit Ernährungsberaterin Simone Bosshard, die Kinder und ganze Familien begleitet und selbst zwei Kinder hat, darüber, warum schon kleine Kinder einen durchlässigen Darm bekommen können und wie du im Alltag gegensteuerst.

 

In dieser Folge erfährst du

  • warum Übergewicht, Allergien und Hautprobleme bei Kindern oft im Darm beginnen
  • wie du erkennst, ob der Darm deines Kindes Unterstützung braucht
  • mit welchen Tricks neues Gemüse ohne Streit auf den Teller kommt
  • was Akazienfasern sind und warum Kinder sie meist gut annehmen
  • worin sich Präbiotika und Probiotika unterscheiden, kindgerecht erklärt
  • warum du bei Antibiotika beim Kind an den Darm denken solltest
  • warum eine Ernährungsumstellung bei Kindern oft schneller wirkt als bei Erwachsenen

Kapitel der Episode

  • 02:25 Einstieg ins Thema
  • 04:15 Wer ist Simone Bosshard
  • 05:11 Warum Eltern auf den Kinderdarm schauen sollten
  • 08:00 Allergien, Neurodermitis und der Darm
  • 09:50 Wie man den Darm bei Kindern anschaut
  • 12:00 Gemüse an den Tisch bringen ohne Kämpfe
  • 15:48 Zubereitung, Tagesform und Einkaufen mit Kindern
  • 18:57 Was sich gesundheitlich verändert
  • 19:48 Akazienfasern und Probiotika für Kinder
  • 22:22 Präbiotika und Probiotika einfach erklärt
  • 26:50 Antibiotika und der Kinderdarm
  • 28:46 Leaky Gut beim eigenen Sohn
  • 29:37 Ernährungsumstellung ohne Drama
  • 36:55 Wo du Simone findestWarum der Darm bei Kindern so früh wichtig ist

Simone beobachtet im eigenen Umfeld und in der Praxis, dass das Thema bei Kindern grösser wird. Es geht dabei nicht nur ums Übergewicht selbst, sondern um das, was im Hintergrund passiert: Bei Übergewicht bilden sich früh Fettzellen, der Blutzuckerspiegel gerät unter Druck, und der Körper verlangt im Wachstum genau nach dem, was er gewohnt ist. Sie berichtet aus einer Weiterbildung, dass Diabetes Typ 2, lange als Alterszucker bekannt, heute so häufig bei Kindern auftritt wie nie.

Auch Allergien, Heuschnupfen und besonders Neurodermitis nehmen bei Kindern zu. Diese Beschwerden haben eine entzündliche Basis und hängen oft mit Ernährung und Darm zusammen, was vielen Eltern nicht bewusst ist. Häufig wird mit einem Antiallergikum behandelt, ohne dass der Darm je angeschaut wurde. Bei Simones Tochter, die im Winter immer wieder starke Neurodermitis-Schübe hat, zeigte die Mikrobiomauswertung deutlich eine angegriffene Darmschleimhaut.

Der Darm ist nicht nur über die Ernährung beeinflussbar. Simones Sohn hatte schon mit zwei Jahren einen Leaky Gut, ausgelöst durch Medikamente. Das zeigt, dass auch Antibiotika und bestimmte Medikamente, die Kinder früh bekommen, eine Rolle spielen.

 

Wie du den Darm bei Kindern unterstützt

Eine Mikrobiomauswertung macht Simone aktuell nur bei Erwachsenen. Bei Kindern steht keine grosse Magen-Darm-Spiegelung an, hier lässt sich über eine Stuhluntersuchung viel erkennen, sofern die nötige Kenntnis beim Arzt vorhanden ist. Für viele Kinder braucht es aber gar keine Analyse als ersten Schritt. Schon eine darmfreundliche Ernährung und ein gutes Prä- und Probiotikum bringen viel, gerade bei Allergien und Unverträglichkeiten.

Gemüse ohne Kampf: was im Familienalltag funktioniert

Der Satz „iss das, das ist gesund“ schreckt Kinder eher ab. In ihren Kinderernährungskursen hörte Simone immer wieder, dass genau dieser Satz zu Hause fällt und das Gegenteil bewirkt. Was stattdessen funktioniert:

Kinder in der Küche mithelfen lassen.Wer schält, schnetzelt und zwischendurch naschen darf, greift nachher viel eher zu und probiert eher etwas Neues.

Einen Teller mit Rohgemüse hinstellen.Tomaten, Gurken, Peperoni, Rüebli, einfach offen stehen lassen. Die Kinder laufen vorbei, und am Abend ist der Teller leer.

Beim Einkaufen mitbestimmen lassen.Simone schickt ihre Kinder los, ein neues Gemüse auszusuchen, das sie noch nie hatten, und dann schauen sie gemeinsam, wie man es zubereitet.

Geduldig wiederholt anbieten.Kinder brauchen viele Anläufe, bis sie ein neues Lebensmittel mögen. Studien gehen von acht bis zehn Probierversuchen aus, in manchen Fällen auch mehr. Druck ist dabei kontraproduktiv.

Selbst vorleben.Kinder essen eher mit, wenn sie sehen, dass die Eltern das Gleiche mit Genuss essen.

Bei sehr wählerischen Kindern hilft das Buch Die Darmhelden, das Simone empfiehlt. Es erklärt kindgerecht, was im Darm passiert, hat Mitmach-Seiten und stellt einzelne Darmbakterien als Figuren vor, sodass Kinder beim Einkaufen plötzlich selbst auf das Bifido-Joghurt zeigen.

Ballaststoffe und Akazienfasern für Kinder

Ballaststoffe sind das Futter der guten Darmbakterien. Als grobe Orientierung nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Faustregel Alter in Jahren plus 5 Gramm Ballaststoffe pro Tag. Die Realität liegt darunter: Laut der EsKiMo-II-Studie nehmen Kinder im Schnitt nur rund 10 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu sich und liegen damit deutlich unter dem Orientierungswert.

Hier kommen Akazienfasern ins Spiel. Sie sind geschmacksneutral, lösen sich in Wasser auf und lassen sich unauffällig unter Müsli oder Porridge mischen. Simones Kinder rühren sie inzwischen selbst in ihren Porridge, ganz automatisch. Wichtig ist, den Kindern zu erklären, warum: Wenn du das nimmst, geht es deinem Bauch besser, du kannst besser aufs WC, deine Haut wird ruhiger. Wer offen und ehrlich erklärt, nimmt den anfänglichen Protest schnell raus.

Präbiotika und Probiotika einfach erklärt

Viele verwechseln die beiden. Präbiotika sind die Ballaststoffe, also das Futter. Probiotika sind die Bakterien selbst. Kindgerecht erklärt Simone es so: Du brauchst Bakterien, die gegen alles kämpfen, was dich krank machen kann. Und damit diese Truppe wächst und stark bleibt, braucht sie viel gutes Futter, das sind die Akazienfasern. Bei ihren Kindern war das Thema damit erledigt, sie fanden es cool, ihre eigene Armee aufzubauen.

Antibiotika und der Kinderdarm

Antibiotika sind manchmal nötig, etwa bei Mittelohr- oder Blasenentzündung. Sie greifen aber das Mikrobiom an. Simones eindringlichster Hinweis an Eltern: Denkt bei Antibiotika von Anfang an begleitend an den Darm. Ihr eigener Sohn bekam mit neun Monaten wegen Affektkrämpfen und Säuglingsepilepsie Antiepileptika. Über ein halbes Jahr liess sich per Stuhltest beobachten, wie er in einen Leaky Gut, einen durchlässigen Dünndarm, lief. Mit einer Ernährungsumstellung und einem guten Aufbau über Prä- und Probiotika bekamen sie das in kurzer Zeit wieder hin.

Ernährungsumstellung ohne Drama

Viele Eltern haben Angst, dem Kind etwas wegzunehmen. Simone rät vom Extrem ab, in beide Richtungen. Kinder, die nie etwas Süsses dürfen, schlagen am Kindergeburtstag umso heftiger zu. Statt Verboten: abwechslungsreich gestalten, das Eis im Sommer erlauben und dafür ein ausgewogenes Mittagessen machen. Und testweise weglassen statt für immer verbieten. Bei Erwachsenen funktioniert „probier es 14 Tage ohne und schau, wie es dir geht“. Kinder reagieren schneller, oft reichen sieben Tage. Bei Simones Tochter meldete sich der Effekt beim Verzicht auf Gluten schon nach einer Woche: „Mami, es geht mir viel besser“. Das Eindrückliche ist, dass Kinder den Unterschied selbst merken und dann freiwillig verzichten, wie bei dem stark verschleimten Kind, das nach dem Weglassen der Schokomilch von selbst sagte, es wolle sie nie mehr trinken.

Fazit

Bei Kindern werden die Weichen früh gestellt. Vieles, was als Schicksal gilt, von Hautproblemen bis zu ständigen Infekten, hat einen Bezug zum Darm und lässt sich beeinflussen. Den grössten Hebel hast du im Alltag: Kinder mitkochen und mit einkaufen lassen, Gemüse offen anbieten und geduldig wiederholen, Ballaststoffe wie Akazienfasern unauffällig einbauen und bei Antibiotika an den Darmaufbau denken. Kinder reagieren schneller als Erwachsene, oft bessert sich etwas innerhalb weniger Wochen.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung.

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Häufige Fragen zur Episode

Ab welchem Alter sollte ich auf den Darm meines Kindes achten?

Von Anfang an. Schon kleine Kinder können einen durchlässigen Darm bekommen, etwa nach Antibiotika oder anderen Medikamenten. Du brauchst dafür keine Analyse als ersten Schritt, sondern kannst mit darmfreundlicher Ernährung und einem guten Prä- und Probiotikum beginnen.

Woran erkenne ich, dass der Darm meines Kindes ein Thema sein könnte?

Hinweise sind wiederkehrende Allergien, Neurodermitis und Hautprobleme, Lebensmittelunverträglichkeiten sowie häufige Infekte. Diese Beschwerden haben oft eine entzündliche Basis und hängen mit dem Darm zusammen. Sprich das Thema mit deinem Arzt oder einer erfahrenen Fachperson an.

Wie bringe ich mein Kind dazu, Gemüse zu essen?

Lass es mitkochen und mit einkaufen, stell Rohgemüse offen auf den Tisch und biete neue Lebensmittel ohne Druck immer wieder an. Kinder brauchen oft viele Anläufe, bis sie etwas mögen. Der Satz „iss das, es ist gesund“ wirkt meist gegenteilig.

Was ist der Unterschied zwischen Präbiotika und Probiotika?

Präbiotika sind Ballaststoffe und dienen als Futter für die Darmbakterien, zum Beispiel Akazienfasern. Probiotika sind die nützlichen Bakterien selbst. Beides ergänzt sich.

Sind Akazienfasern für Kinder geeignet?

Akazienfasern sind geschmacksneutral, in Wasser löslich und lassen sich gut unter Müsli oder Porridge mischen, weshalb Kinder sie meist gut annehmen. Sie liefern Ballaststoffe, an denen es in der Kinderernährung häufig fehlt.

Sollte ich meinem Kind bei Antibiotika etwas für den Darm geben?

Antibiotika greifen das Mikrobiom an. Simone empfiehlt, von Anfang an begleitend an den Darmaufbau zu denken. Welches Mittel und welche Dosierung für dein Kind passen, klärst du am besten mit einem Arzt oder einer erfahrenen Fachperson ab.

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