Substanz, Frühstück und Erschöpfung: Ernährung in Gesundheitsberufen
Ernährung als Basis: In dieser Folge des Darmglück Podcasts spricht Julia Gruber mit Dr. Claudia Nichterl, Ernährungswissenschaftlerin aus Wien. Claudia berät seit 25 Jahren zu Ernährung und bildet seit 8 Jahren Menschen in Gesundheitsberufen aus. Ihr Wissen stammt aus der Ernährungswissenschaft und aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die beiden sprechen darüber, warum Ernährung in Therapien oft wenig Platz bekommt, was Claudia unter Substanz versteht und warum sie das Frühstück als Hebel sieht. Am Ende stellt Claudia ihre kostenlose Fortbildung «Erschöpfung & Energie» vor. Alle Aussagen in dieser Folge sind persönliche Einschätzungen und Erfahrungen und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Inhalt
- Warum Ernährung in Gesundheitsberufen oft zu kurz kommt
- Der rosa Elefant: Was soll ich dann noch essen?
- Ernährung als Basis: Substanz aus Sicht der TCM
- Du bist, was du verdauen kannst
- Das Frühstück als Tank am Morgen
- Die kostenlose Fortbildung «Erschöpfung & Energie»
Wer ist Dr. Claudia Nichterl?
Claudia ist Ernährungswissenschaftlerin aus Wien. Sie hat dort studiert und gegen Ende des Studiums die Traditionelle Chinesische Medizin gelernt. Sie nennt sich selbst ein typisches Beispiel dafür, dass auch eine ernährungswissenschaftlich gesunde Ernährung nicht jedem Menschen gleich guttut. In der TCM fand sie eine Erklärung dafür. Seitdem arbeitet sie mit der Erkenntnis, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Ihre Vision: Alle, die in einem Gesundheitsberuf arbeiten, sollen über Ernährung Bescheid wissen und nutzen, was im täglichen Essen steckt. Julia sagt dazu, dass beide eine ähnliche Mission haben: Sie möchten, dass es Menschen besser geht.
Warum Ernährung in Gesundheitsberufen oft zu kurz kommt
Julia erlebt bei Therapeutinnen und Therapeuten oft Abwehr, wenn es um Ernährung geht, obwohl alle sagen, sie gehöre dazu. Claudia sieht dafür zwei Gründe. Bei Fachkonferenzen und Fortbildungen hört sie oft den Satz, die Menschen würden nichts umsetzen, und dahinter steckt für sie viel Frustration. Dazu kommt, dass Fachpersonen in ihren Ausbildungen kaum lernen, wie sie Wissen so weitergeben, dass es für andere machbar wird. Claudia macht Fachwissen deshalb gern verständlich und alltagstauglich, weil Menschen gestresst sind und klare Anweisungen brauchen.
Der rosa Elefant: Was soll ich dann noch essen?
Verbote bringen nach Claudia nichts. Wenn Menschen nur hören, was sie weglassen sollen, ist das für sie Stress. Julia kennt die Folgefrage ihrer Kundinnen und Kunden: Was soll ich dann überhaupt noch essen? Deshalb sagt sie lieber, was auf den Teller kommt. Sie erklärt das mit dem rosa Elefanten: Wer nicht an einen rosa Elefanten denken soll, denkt an einen rosa Elefanten. Claudia gratuliert Julia zu diesem Vorgehen, weil Menschen konkrete Lösungen brauchen.
Fachpersonen und ihr eigenes Essen
Julia beobachtet, dass Fachpersonen Ernährung bei sich selbst nicht immer anwenden. Kundinnen und Kunden fragen sie, ob sie sich selbst so ernährt, und Julia antwortet mit Ja. Sie ist überzeugt, dass Fachpersonen Ernährung glaubwürdiger weitergeben, wenn sie eigene Erfahrungen damit gemacht haben. Claudia ergänzt, dass Perfektion dafür nicht nötig ist. Ihr geht es um Freude am Lernen, am Ausprobieren und um Genussfähigkeit.
Ausprobieren in der Küche
In Claudias Ausbildung läuft das Lernen in drei Schritten: ein kurzer theoretischer Input, dann probieren die Teilnehmenden das Rezept in ihrer eigenen Küche aus, und danach geben sie es sofort weiter. So entsteht nach Claudia ein schnellerer Erkenntnisgewinn als durch Zuhören allein. Sie beobachtet, dass Frauen in Gesundheitsberufen, die täglich selbst kochen und viel über Ernährung wissen, ihr Wissen oft unter Wert verkaufen, weil es für sie selbstverständlich ist. Praktisches Küchenwissen darf nach Claudia etwas kosten. Sie wünscht sich, dass vor allem Frauen in Gesundheitsberufen fair und gut bezahlt werden.
Ernährung als Basis: Substanz aus Sicht der TCM
Julia fragt, wann Ernährung zur Therapie gehört. Claudia antwortet: überall. In der TCM braucht jede Behandlung Qi, die Lebensenergie, und Erschöpfung gilt dort als Substanzmangel. Akupunktur, Kräuter, Osteopathie oder Shiatsu regulieren, was an Substanz vorhanden ist. Nach Claudia kommt die Substanz aus dem Essen, und deshalb ist Ernährung für sie die Basis. Julia sieht das ähnlich: Damit eine Therapie ansetzen kann, braucht der Körper eine Grundfunktion. Claudia beschreibt, dass die TCM warme, suppige und saftige Speisen als Grundlage für die Verdauung sieht, und erinnert an die Kraftsuppen, die früher als Kraftelixiere galten.
Du bist, was du verdauen kannst
Julia fragt Claudia nach der Darmgesundheit: Damit der Körper Nährstoffe aufnehmen kann, muss der Darm verarbeiten können, was du isst. Claudia hält den Satz «Du bist, was du isst» für halb richtig. Ihre Ergänzung lautet: Du bist, was du verdauen kannst. Als Beispiel nennt sie Trends. Die Ernährungswissenschaft war lange ein Fan von Rohkost und grünen Smoothies. Zwei Menschen im selben Haushalt trinken denselben grünen Smoothie, und einer fühlt sich energiegeladen, die andere friert und fühlt sich nicht gut. Kaltes und Rohes verträgt nach Claudia nicht jeder Körper gleich gut, und deshalb passt nicht jeder Trend zu jeder Person. Ihr Leitspruch lautet: Dein Bauch ist der Experte für dein Essen. Als Fachkraft gibt Claudia Hinweise aus ihrer Erfahrung, am Ende zählt das Hinspüren. Sie empfiehlt, nach dem Essen auf deine Energie und auf dein Bauchgefühl zu achten.
Mehr zum Zusammenspiel von Darm und Verdauung findest du im Magazinartikel
Das Frühstück als Tank am Morgen
Das Frühstück ist Claudias Lieblingsthema, sie hat zwei Bücher dazu geschrieben. Auf Julias Frage, ob sie beim Frühstück anfängt, erklärt Claudia ihr Vorgehen: Im System der integrativen Ernährung fragt sie zuerst nach dem typischen Essalltag. In etwa 80 Prozent der Fälle hört sie, dass es kein Frühstück gibt. Sie erklärt das mit dem englischen Wort Breakfast, das Fasten brechen. Nach der Nacht liegen 10 bis 12 Stunden ohne Essen hinter dir, und dein innerer Tank ist ziemlich leer. Claudia vergleicht das mit einem Auto, das auf Reserve fährt, während schon die roten Lichter blinken. In der TCM arbeiten laut Organuhr am Vormittag die Verdauungsorgane am effizientesten.
Dazu berücksichtigt Claudia die Stoffwechseltypen, denn ein Frühstück muss satt halten. In der TCM ist Porridge ein Lieblingsfrühstück. Claudia selbst hat nach einem Porridge nach einer Stunde Heisshunger und braucht mehr Eiweiss. Sie lädt zum Experiment ein: Du musst ihr nichts glauben, du kannst es ausprobieren, zum Beispiel am Wochenende. Nach ihrer Erfahrung merken viele schon nach 2 bis 4 Tagen Veränderungen bei Heisshunger und Energie. Claudia versteht das Frühstück als Einladung zum Ausprobieren, denn dein Bauch bleibt der Experte für dein Essen.
Mehr zum Frühstück findest du im Magazinartikel
Die kostenlose Fortbildung «Erschöpfung & Energie»
Auf Julias Frage nach Claudias Workshops erzählt Claudia von einer Umfrage bei den rund 10'000 Menschen auf ihrer Mailliste. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen in der Beratung sind erschöpft, und Therapeutinnen und Therapeuten haben das Gefühl, bei ihren Klientinnen und Klienten immer wieder von vorn zu beginnen, weil diesen die Kraft fehlt. Claudia widmet deshalb ihre nächste kostenlose Fortbildungswoche diesem Thema. Sie zeigt, welche Arten von Erschöpfung es gibt, weil nicht jede Erschöpfung dieselben Gründe hat, und gibt Gesundheitsberufen eine Anleitung mit, die Schritt für Schritt aufgebaut ist und zeigt, wie sie Klientinnen und Klienten mit Ernährung unterstützen.
Claudia gibt ein Bild mit, das ihr ein Tai Chi Meister erklärt hat: Viele Menschen schicken ihr Qi in die Vergangenheit, zum Beispiel zu einem Groll oder einer Trennung, oder in die Zukunft, zum Beispiel zu Sorgen um die Miete oder die Kinder. Sie sind dadurch nie in ihrer Mitte, und das zehrt. Weil sich mit nicht jedem Menschen ein psychotherapeutischer Prozess durchlaufen lässt, setzt Claudia beim Essen an. Sie sieht im guten Essen eine Möglichkeit, sich besser zu verwurzeln. Ihr Beitrag: mehr Nährendes in die Welt bringen.
Für wen die Fortbildung ist
Julia fragt, ob die Teilnahme einen Gesundheitsberuf voraussetzt. Claudia antwortet, dass in ihrer Ausbildung rund 30 Prozent der Teilnehmenden Privatpersonen sind. Viele von ihnen waren schon bei mehreren Therapeutinnen und Therapeuten und wollen jetzt selbst lernen. Als Beispiel nennt Claudia eine Grossmutter mit 78 Jahren, die integrative Ernährung lernt, damit ihre Enkelkinder besseres Essen bekommen. Die Motive sind vielfältig, und jeder ist willkommen.
Termine und Anmeldung
Die kostenlose Fortbildung «Erschöpfung & Energie» der Akademie für integrative Ernährung findet live per Zoom statt.
- Montag, 2. November, 18.30 Uhr
- Donnerstag, 5. November, 18.30 Uhr
- Sonntag, 8. November, 10 Uhr
Alle Zeiten gelten nach Wiener Zeit, in der Schweiz gilt dieselbe Uhrzeit. Jede Aufzeichnung bleibt 48 Stunden online. Bei Live Teilnahme erhältst du eine Fortbildungsbestätigung. Die Anmeldung läuft bis Mittwoch, 4. November. Claudia empfiehlt, live teilzunehmen, weil du dann Fragen stellen kannst und sie auch Live Coachings macht. Im Gespräch erwähnt sie ein VIP Ticket, das die Aufzeichnungen enthält. Die Bedingungen dazu findest du bei der Anmeldung.
Zur Anmeldung (Werbung, Partnerlink): https://www.checkout-ds24.com/redir/608076/ArktisBioPharma/podcast
Kapitelübersicht
00:00 Intro: Eine Ernährungsumstellung soll schnell ein Resultat zeigen
02:58 Begrüssung und Vorstellung von Dr. Claudia Nichterl
04:41 Warum Ernährung in Gesundheitsberufen oft zu kurz kommt
05:56 Fachwissen verständlich weitergeben und warum Verbote nichts bringen
07:03 Der rosa Elefant: Was soll ich dann noch essen?
07:48 Fachpersonen und ihr eigenes Essen
09:12 Ausprobieren in der Küche und der Wert von Küchenwissen
12:12 Ernährung als Basis: Substanz aus Sicht der TCM
15:20 Darmgesundheit: Du bist, was du verdauen kannst
18:32 Ein Beispiel aus der Praxis und warum erste Ergebnisse spürbar sein sollen
22:06 Das Frühstück als Tank am Morgen
27:12 Die Fortbildung «Erschöpfung & Energie» und das Bild vom Qi
31:51 Für wen die Fortbildung ist
33:17 Termine, Aufzeichnung und Verabschiedung
Häufige Fragen
Was soll ich noch essen, wenn ich etwas weglassen soll?
Julia und Claudia raten, konkrete Lösungen zu geben: Sag, was auf den Teller kommt. Julia erklärt das mit dem rosa Elefanten: Wer nicht an ihn denken soll, denkt an ihn. Eine Liste mit Verboten bringt dir deshalb wenig.
Ernähren sich Fachpersonen selbst so, wie sie es empfehlen?
Julia beantwortet die Frage ihrer Kundinnen und Kunden, ob sie sich selbst so ernährt, mit Ja. Sie ist überzeugt, dass eigene Erfahrung die Beratung glaubwürdiger macht. Claudia ergänzt, dass Perfektion nicht nötig ist. Es zählen Ausprobieren und Genussfähigkeit.
Wer kann an der Fortbildung teilnehmen?
Die Fortbildung richtet sich an Menschen in Gesundheitsberufen. Privatpersonen sind ebenfalls willkommen, in Claudias Ausbildung sind rund 30 Prozent der Teilnehmenden Privatpersonen.
Was ist, wenn ich einen Termin verpasse?
Jede Aufzeichnung bleibt 48 Stunden online. Claudia empfiehlt, live teilzunehmen, weil du Fragen stellen kannst und Live Coachings stattfinden. Zu einem VIP Ticket mit Aufzeichnungen findest du die Bedingungen bei der Anmeldung.
Erwähnte Links
• Kostenlose Fortbildung «Erschöpfung & Energie» der Akademie für integrative Ernährung (Werbung, Partnerlink): https://www.checkout-ds24.com/redir/608076/ArktisBioPharma/podcast
Haftungshinweis
Die Inhalte dieser Folge und dieser Shownotes dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich vor einer Ernährungsumstellung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
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