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Rohkost im Sommer: warum du sie am Abend besser weglässt (DG360)

Kühl essen im Sommer: Quinoa-Taboulé, kalte Suppen und die richtige Tageszeit

 

Rohkost im Sommer gilt als das Gesündeste, was du deinem Körper geben kannst. Salat am Mittag, Obst am Abend, dazu ein Smoothie zwischendurch. Rohes Gemüse und rohes Obst kühlen tatsächlich, und genau deshalb greifen viele bei Hitze dazu. In meiner Praxis sehe ich seit über zwanzig Jahren die andere Seite davon: Menschen mit Blähungen, Völlegefühl und träger Verdauung, die im Sommer plötzlich mehr Beschwerden haben als sonst. Der Grund liegt oft weniger im Was als im Wann.

 

Inhalt dieser Folge

   Warum Rohkost die Verdauung stärker fordert

   Die Tageszeit macht den Unterschied

   Kühl essen mit gegartem Gemüse

   Quinoa-Taboulé für heisse Mittage

   Quinoa richtig vorbereiten

   Obst, Saft und die Sache mit der Fruktose

   Wenn die Beschwerden bleiben

   Häufige Fragen

 

 

Warum Rohkost die Verdauung stärker fordert

Rohes Gemüse und rohes Obst bringen ihre Zellwände unversehrt in deinen Verdauungstrakt. Beim Garen brechen diese Strukturen auf, Hitze übernimmt einen Teil der Arbeit, die sonst dein Magen und dein Dünndarm leisten müssen. Was oben nicht aufgeschlossen wird, landet weiter unten bei deinen Darmbakterien. Die fermentieren es, und dabei entsteht Gas.

Bei einem robusten Verdauungssystem fällt das kaum auf. Wenn du bereits Blähungen hast, wenn deine Verdauung generell langsam ist oder wenn eine Darmerkrankung im Hintergrund läuft, wird derselbe Salat zum Problem.

Ein Detail, das viele übersehen: die Schale. Die Haut der Peperoni ist ausgesprochen schwer verdaulich. Wer sie schält, nimmt einen grossen Teil der Belastung heraus, ohne auf das Gemüse zu verzichten.

Gründliches Kauen gehört ebenfalls dazu. Die mechanische Zerkleinerung im Mund ist der erste Verdauungsschritt, und bei Rohkost ist er der wichtigste. Wer schnell isst, verschiebt diese Arbeit nach hinten.

 

Die Tageszeit macht den Unterschied

Deine Verdauungsleistung ist über den Tag nicht gleich. Am Morgen und am Mittag arbeitet sie kräftiger, am Abend fährt sie herunter. Genau dann landet bei vielen der grosse Salat oder die Schale Obst auf dem Tisch.

Meine Empfehlung aus der Praxis: Rohkost am Morgen und am Mittag. Karottensticks und Gurkensticks mit Joghurt zum Frühstück funktionieren gut, Joghurt wirkt zusätzlich kühlend. Mittags darf es der Salat sein. Am Abend gibst du deinem System etwas, das weniger Arbeit macht.

 

Kühl essen mit gegartem Gemüse

Der Wunsch nach etwas Kaltem und Erfrischendem am Abend bleibt bei dreissig Grad bestehen. Du kannst ihn erfüllen, ohne roh zu essen.

Das Antipasti-Prinzip aus Italien macht es vor: Peperoni und Zucchetti werden gegrillt, geschält und kalt serviert. Gegart, gekühlt, bekömmlich.

Kalte Suppen funktionieren nach demselben Muster. Eine Zucchettisuppe oder eine Karottensuppe, warm gekocht, danach vollständig auskühlen lassen. Wer es richtig erfrischend mag, gibt Eiswürfel dazu. Zitrone und Pfefferminze verstärken den kühlenden Effekt im Körper. Pouletstreifen machen daraus eine vollständige Mahlzeit.

Gazpacho ist die Ausnahme in dieser Reihe, denn Gazpacho ist roh. Wenn du am Abend empfindlich reagierst, greif zur gekochten und abgekühlten Variante.

 

Quinoa-Taboulé für heisse Mittage

Mittags darf ein Rohkostanteil dabei sein.Mein Sommerfavorit ist Quinoa-Taboulé.

Quinoa ist ein Pseudogetreide und botanisch gar kein Getreide, sondern mit dem Gänsefuss verwandt. Es enthält kein Gluten, im Gegensatz zu Couscous, der aus Weizen besteht. Roh liefert Quinoa rund 13 bis 14 Gramm Eiweiss pro 100 Gramm, gekocht etwa 4,4 Gramm. Interessanter als die Menge ist die Qualität: Quinoa enthält alle neun essenziellen Aminosäuren, was unter pflanzlichen Lebensmitteln selten vorkommt. Das macht satt und hält den Blutzucker ruhiger als ein reiner Salat.

Für das Taboulé mischst du unter das gekochte, abgekühlte Quinoa fein gewürfelte Gurken, Tomaten und Zucchetti, dazu Petersilie, Pfefferminze oder beides. Die Sauce: Zitronensaft, Olivenöl, Salz, nach Geschmack Knoblauch oder Zwiebel.

Wenn du das Ganze am Abend essen willst, ersetz den rohen Anteil durch gegartes Gemüse.

Das vollständige Rezept.

 

Quinoa richtig vorbereiten

Ein Punkt, der in der Folge nicht vorkam, in der Praxis aber immer wieder auftaucht: Quinoa ist von Saponinen überzogen. Diese Bitterstoffe schützen die Pflanze vor Schädlingen und können bei empfindlichen Menschen Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Genau die Beschwerden also, wegen denen du Quinoa als bekömmliche Alternative gewählt hast.

Gründliches Spülen im feinen Sieb unter fliessendem Wasser entfernt bis zu 95 Prozent der Saponine. Dieser Schritt dauert eine Minute und steht auf fast jeder Packung. Wer sehr empfindlich reagiert, kauft bereits geschältes Quinoa.

 

Obst, Saft und die Sache mit der Fruktose

Beim Obst bin ich zurückhaltender, als viele erwarten. Wer bereits Darmprobleme hat, reagiert häufig auf Fruktose, meist mit Durchfall oder Blähungen. Der Grund ist die Aufnahmekapazität im Dünndarm: sie ist für Fruktose begrenzt. Was nicht aufgenommen wird, wandert in den Dickdarm und wird dort vergoren.

Kritisch wird es bei flüssigem Obst. Mir hat letztens jemand von seinem Sommergetränk erzählt: Obstwürfel, mit Orangensaft aufgegossen, Eiswürfel dazu. Sechs bis acht Gläser am Tag. Er war begeistert, ich musste ihn in Anführungszeichen etwas herunterholen.

Die Zahlen dazu: Orangensaft enthält 8,8 bis 9,1 Gramm Zucker pro 100 Millilitern, Coca-Cola 10,6 Gramm. Orangensaft liegt also fast auf dem Niveau von Cola. Bei sechs bis acht Gläsern à 2 Deziliter kommen rund 105 bis 145 Gramm Zucker pro Tag zusammen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt bei freiem Zucker höchstens etwa 25 Gramm täglich für Erwachsene, und Fruchtsaftzucker zählt dort ausdrücklich dazu.

Fruktose wird in der Leber verstoffwechselt und bei hoher Zufuhr dort in Fett umgebaut. Die Studienlage zu flüssiger Fruktose und Fettleber ist deutlich genug, dass ich in der Praxis genau hinschaue, wenn jemand täglich mehrere Gläser Saft trinkt.

Das heisst nicht, dass Obst gestrichen wird. Iss es in der Form, in der du es kaust. Ein Glas Orangensaft als Ausnahme, dann 1 bis 2 Deziliter.

 

Wenn die Beschwerden bleiben

Wenn du die Tageszeiten anpasst, gründlich kaust und trotzdem regelmässig mit Blähungen, Durchfall oder Völlegefühl kämpfst, lohnt sich ein Blick auf dein Mikrobiom. Welche Bakterien in welcher Menge bei dir arbeiten, entscheidet mit darüber, wie viel Rohkost du verträgst.

Mikrobiomanalyse mit Audio-Besprechung: https://arktisbiopharma.ch/products/mikrobiomanalyse-mit-audio-besprechung

Persönliche Beratung: https://arktisbiopharma.ch/pages/beratung-kontakt

 

Häufige Fragen

Ist Rohkost am Abend schlecht für die Verdauung?

Am Abend arbeitet die Verdauung langsamer als tagsüber. Rohes Gemüse und rohes Obst brauchen mehr Verdauungsleistung als gegarte Lebensmittel, weil die Zellwände intakt sind. Bei empfindlicher Verdauung führt das abends häufiger zu Blähungen und Völlegefühl. Gegartes Gemüse, das anschliessend kalt serviert wird, liefert denselben kühlenden Effekt bei geringerer Belastung.

Warum bekomme ich von Rohkost Blähungen?

Unverdaute Bestandteile aus rohem Gemüse und Obst gelangen in den Dickdarm und werden dort von Bakterien vergoren. Dabei entstehen Gase. Wer bereits eine langsame Verdauung, eine Dysbiose oder eine Darmerkrankung hat, spürt das deutlicher. Gründliches Kauen, kleinere Portionen und das Schälen schwer verdaulicher Schalen wie bei Peperoni verringern die Beschwerden.

Wie viel Orangensaft am Tag ist zu viel?

Orangensaft enthält 8,8 bis 9,1 Gramm Zucker pro 100 Millilitern und liegt damit knapp unter Coca-Cola mit 10,6 Gramm. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen höchstens rund 25 Gramm freien Zucker pro Tag, Fruchtsaft eingeschlossen. Ein Deziliter Saft schöpft davon bereits gut ein Drittel aus. Als gelegentliche Ausnahme sind 1 bis 2 Deziliter ein sinnvoller Rahmen.

Muss man Quinoa vor dem Kochen waschen?

Ja. Quinoa ist von Saponinen überzogen, bitteren Pflanzenstoffen, die bei empfindlichen Personen Magen-Darm-Beschwerden auslösen können. Gründliches Spülen in einem feinen Sieb unter fliessendem Wasser entfernt bis zu 95 Prozent davon. Der Schritt dauert etwa eine Minute. Wer sehr empfindlich reagiert, greift zu bereits geschältem Quinoa aus dem Handel.

 

Links

Quinoa-Taboulé Rezept:https://arktisbiopharma.ch/blogs/magazin/quinoa-taboule-erfrischend-glutenfrei-und-vegan

Mikrobiomanalyse mit Audio-Besprechung: https://arktisbiopharma.ch/products/mikrobiomanalyse-mit-audio-besprechung

Beratung und Kontakt: https://arktisbiopharma.ch/pages/beratung-kontakt

Hinweis

Die Inhalte dieser Folge geben meine Erfahrung aus über zwanzig Jahren Praxis wieder und dienen der Information.Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose und keine individuelle Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine qualifizierte Therapeutin.

 

 

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